Meine Familie macht Bodypump. Genau genommen meine Mutter und meine kleine Schwester. Seit Jahren schon. Doch wirklich ernst nimmt das niemand. Im Gegenteil: Meine Familie ist der festen Überzeugung, dass die beiden die wöchentlichen Kurse nur als Vorwand nehmen, um in der Stadt ein Eis zu essen oder sich mal wieder zum quatschen und posieren vor dem Spiegel im Fitnesstudio einzufinden. Also habe ich das einzig Sinnvolle gemacht und sie zum Kurs begleitet. Was ich dann erlebte, machte mich fassungslos.

Mittlerweile ist „Bodypump“ deshalb zu einem geflügelten Wort in unserer Familie geworden für recht viele Dinge, die letztlich bedeuten, dass mal wieder jemand unter Vortäuschung höchster Anstrengung etwas Freizeit genießt. Gehen die Ladys mal wieder zum Sport, lächelt der Rest leicht süffisant und denkt sich seinen Teil. Auch ich, wenn ich in der Heimat zu Besuch bin.

Ich denke mir dann: Haha, so wild kann das gar nicht sein mit diesem Bodypump. Schließlich hätte ich weder meine Mutter noch meine Schwester als besonders sportlich eingestuft. Aufmerksamen Lesern ist es nicht entgangen: Ich schreibe „hätte“. Auch ich habe das Trainingsprogramm der beiden bislang nicht so recht ernst genommen. Es dürfte also niemanden wundern, dass ich laut „Natürlich!“ geschrieen habe, als meine Mutter mich neulich gesagt hat, ob ich nicht auch mitkommen möchte zum Kurs.

Bodypump – oder: Warum ich nie wieder über meine Familie lache

Meine Sportklamotten hatte ich dabei, meine Motivation auch, mein schlechtes Gewissen, weil ich für die Kategorie „Ausprobiert“ schon so lange keine Sportart mehr getestet habe, auch. Also ab nach Schramberg im Schwarzwald in den Life-Gesundheitsclub*. Im Kursraum fand ich mich gemeinsam mit zwei Herren und einigen Damen wieder, die wohl regelmäßig am Kurs teilnehmen, wie ich den Gesprächen entnehmen konnte. Somit waren mir meine Mitstreiter in mindestens einem Punk überlegen: Sie kannten die Choreographie schon.

Ja, es gibt eine Choreographie. Bei einer Sportart, die hauptsächlich mit Gewichten und Hanteln arbeitet. Und das eine ganze Stunde lang. Mal ehrlich: Wenn man das nur hört, aber noch nie live gesehen hat, könnte man Bodypump unterstellen, dass es sich um eine Tanzveranstaltung handelt. Ganz ehrlich, ich halte keinen 60-minütigen Hardcore-Krafttrainingskurs durch, wenn dazu auch noch eine Choreografie gehört. Dachte ich mir – und wurde dermaßen eines besseren belehrt, dass ich es weh tat. Wortwörtlich.

Die Konzept von Bodypump stammt von Les Mills und wurde mir von Trainerin Gabi nähergebracht. Danke dafür und auch für die Geduld mit mir, wäre ich bei manchen Übungen doch beinahe in Tränen ausgebrochen vor Anstrengung und Erschöpfung. Ich habe gelitten wie ein Hund und werde unter Garantie nie wieder über meine Mutter und meine Schwester lachen, die die Übungen ohne mit der Wimper zu zucken, fast ohne Schweiß und mit deutlich mehr Gewicht auf der Hantel als manch anderer weggerockt haben. Wer wissen will, wie ich im Vergleich dazu abgeschnitten habe, darf sich beim Blättern durch die Bildergalerie amüsieren – weiter unten im Text folgt dann mein Fazit zu Bodypump.

  • Nina macht Bodypump. Meine Ausrüstung wurde mir liebevollerweise von meinen Kursmitstreitern zusammengestellt. "Anfänger-Modus". ©Nina-Carissima Schönrock
    Nina macht Bodypump. Meine Ausrüstung wurde mir liebevollerweise von meinen Kursmitstreitern zusammengestellt. "Anfänger-Modus". ©Nina-Carissima Schönrock
  • Die Dame hier links im Bild ist übrigens meine besagte kleine Schwester. ©Nina-Carissima Schönrock
    Die Dame hier links im Bild ist übrigens meine besagte kleine Schwester. ©Nina-Carissima Schönrock
  • Was tun, wenn der Schmerz einfach nicht mehr aufhört? "Weitermachen", sagt Gabi. ©Nina-Carissima Schönrock
    Was tun, wenn der Schmerz einfach nicht mehr aufhört? "Weitermachen", sagt Gabi. ©Nina-Carissima Schönrock
  • "Da geht noch was!", sagt Trainerin Gabi. Ich bin da anderer Meinung. ©Nina-Carissima Schönrock
    "Da geht noch was!", sagt Trainerin Gabi. Ich bin da anderer Meinung. ©Nina-Carissima Schönrock
  • 60 Minuten später: Ich bin tot. Sowas von tot. ©Nina-Carissima Schönrock
    60 Minuten später: Ich bin tot. Sowas von tot. ©Nina-Carissima Schönrock
  • Von Fitness-Fee Silvi gab's am Schluss noch einen kleinen Eiweißschub zum Trost. ©Nina-Carissima Schönrock
    Von Fitness-Fee Silvi gab's am Schluss noch einen kleinen Eiweißschub zum Trost. ©Nina-Carissima Schönrock

Wie viele Kalorien werden pro Stunde verbrannt?

Trainerin Gabi sagt: In ihrem Kurs verbrennt man 570 Kalorien in der Stunde. Ich würde schwören, dass es deutlich mehr sind, wenn man bedenkt, dass man bei einer Stunde Laufen bei zirka 600 Kalorien liegt, die verbrannt werden. Denn der Kurs setzt komplett auf Muskelkraftausdauertraining und Fettverbrennung – und das mit 800 bis 1.000 Wiederholungen!

Sind Vorkenntnisse oder Erfahrung für Bodypump nötig?

Vorkenntnisse sind keine nötig. Wer allerdings etwas Erfahrung mit Langhantel-Training hat, ist definitiv im Vorteil. So ist nämlich gewährleistet, dass die Übungen sauber ausgeführt werden, obwohl man aufgrund der Musik und Choreo etwas unter „Zeitdruck“ ist, wie ich es jetzt mal nenne. Die Abläufe zwischen den einzelnen Übungen sind fließend und haben mich das ein oder andere Mal hinterherhinken lassen, obwohl Trainerin Gabi wirklich stark darauf geachtet hat, mich Anfängerin nicht zu verlieren, sondern brav durch jede Übung durchzumotivieren bis zum Ziel.

Ist die Sportart für Sportanfänger geeignet?

Nach meiner ersten Kursstunde muss ich sagen: Nein. Ich habe den Kurs besucht, als mein Fitnesslevel wirklich noch nicht gut war. Zwar habe ich bis zum Schluss durchgehalten, musste bei manchen Übungen aber Abstriche bei den Wiederholungen machen und war vor allem schon nach nur 10 Minunten so am Limit, dass ich zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatte, ob ich Bodypump überhaupt bis zum Schluss überlebe. Ganz ohne Vorkenntnisse sollte man die Finger vom Kurs lassen. Ein Grundgespür fürs Aufwärmen vorab, sinnvoll koordinierte Bewegungsabläufe und eine Ahnung von der Belastung durch Gewichte sollte schon vorhanden sein.

Ist die Sportart gut als Ausdauertraining geeignet?

Cardio-Fans finden im Bodypump sicherlich eine neue Challenge für sich, weil wirklich alles auf Krafttraining ausgerichtet ist und somit eine gute Ergänzung zum sonstigen Training darstellt. Ein Ausdauertraining stellt der Kurs aber definitiv nicht dar.

Ist die Sportart gut als Krafttraining geeignet?

Ja, perfekt sogar. Das Krafttraining wird durch das Kurskonzept schon beinahe mitreißend gestaltet. Reines Pumpen in der Muckibude mag einen vielleicht anöden, aber die Power eines Bodypump-Kurses trägt einen durch ein dynamisches Gruppentraining. Da es sich um ein Ganzkörpertraining handelt, wird auch an der Kraftausdauer gearbeitet, die aber eben kein Vergleich ist zur „klassischen“ Ausdauer, wie man sie vom Laufen, Zumba oder dem Crosstrainer kennt. Die schlanken Muskeln im gesamten Körper sollen geformt und definiert werden, ohne dass man sich dabei „aufpumpt“. Das Geheimnis besteht hier wirklich aus vielen Wiederholungen bei moderaten Gewichten und einingen Peaks, die die Herzfrequenz erhöhen und so für einen metabolischen Effekt sorgen.

Ist die Sportart für Menschen mit Gelenkproblemen geeignet?

Es ist eine gewisse Grundfitness erforderlich für diesen Sport, doch Trainerin Gabi sagt: Für die Gelenke ist dieses Programm von Les Mills tatsächlich gelenkschonend – vorausgesetzt, man führt die Übungen wirklich sauber und sorgfältig aus. In ihren Kursen trainieren auch Menschen mit künstlichen Gelenken und operierten Kreuzbandrissen – das geht wohl gut, da Bodypump fast nur aus statischen Gelenkbewegungen besteht und in allermeisten Fällen ohne Sprünge auskommt, die die Gelenke belasten würden.

Die Muskeln, die vom Gewichtstraining profitieren, sollen die Gelenke sogar ein Stück weit schützen. Von mir gibt’s 4 von 5 Kettleballs an dieser Stelle, denn: Im Kurs lernt man, seine eigene Körperlast mit der Muskulatur zu halten und nicht mit den Gelenken. Das ist allerdings ein Prozess, der sich nicht von jetzt auf gleich einstellt und einiger Trainingseinheiten bedarf bis zum gewünschten Punkt.

Wie abwechslungsreich ist dieser Sport?

Auch wenn es beim Bodypump letztlich „nur“ um Hantel- und Gewichttraining geht, ist es aufgrund des Kursaufbaus tatsächlich sehr abwechslungsreich. Wäre es nicht so unfassbar anstrengend, würde ich fast sagen „unterhaltsam“. Wer den Kurs regelmäßig besucht, kommt zudem in den Genuss unterschiedlicherr Choreographien. Musik und Übungen wechseln nämlich nach einiger Zeit auch mal und die von Les Mills ausgebildeten Trainer bringen neuen Schwung in die Gruppe.

Die Kettlebells stehen hier für 0=gar nicht, 1=nicht unbedingt, 2=geht so, 3=einigermaßen, 4=gut, 5=sehr gut

* Vielen Dank an dieser Stelle auf an das Life, Trainerin Gabi und Fitness-Fee Silvi dafür, dass ich mich als Gast einmal mitquälen durfte und dabei so toll von euch umsorgt wurde.

Ich, Nina, Jahrgang 1986 und Gründerin des Blogs „Ich mach dann mal Sport“, bin Zeit meines Lebens verliebt in Wort und Schrift. Jetzt nehme ich euch mit auf meine Suche nach Motivation und meinen Weg zu mehr Fitness.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.