So, lieber Sport. Das mit uns beiden ist schon eine Weile her. Da hat sich in den vergangenen Jahren einiges an Gefühlen auf meiner Seite angesammelt. Bevor wir uns nun also womöglich in eine wilde Beziehung stürzen, möchte ich gern noch einige Dinge klarstellen. Ein offener Brief an den Sport.

Hey Sport,

lange nicht gesehen! Ja, tatsächlich, wir kennen uns bereits. Es ist schon eine ganze Weile her, dass wir einander vorgestellt wurden und in unterschiedlichsten Jahren und Lokalitäten. Daher noch mal kurz von meiner Seite: Ich bin Nina, grüß dich. Vielleicht erinnerst du dich: Wir kennen uns noch aus unserer Schulzeit. Damals, als du den Macker markiert hast und so dermaßen nervig warst, dass ich mich stundenweise habe entschuldigen lassen, damit ich dich nicht sehen muss.

Du magst das vielleicht vergessen haben, aber ich habe das noch sehr präsent vor meinem inneren Auge mit dir und mir. Wenn du dir deiner Sache im Sommer so sicher warst, dass du uns Mädels hast gegeneinander antreten lassen. „Bundesjugendspiele“ hast du es genannt, du kleiner Sadist, um herauszufinden, wer am besten zu dir passt. Für die gab’s eine Medaille wie bei „Der Bachelor“ Rosen. Ich habe diese Erfahrung bis jetzt erfolgreich verdrängt. Demütigend war das. Aber hey, wir waren jung und wussten es auch einfach nicht besser.

Ein paar Jahre später sah das anders aus. Da dachte ich, du hättest dich vielleicht verändert, wärst netter geworden und zugänglicher für Mädchen wie mich. Wegen dir habe ich damit angefangen, Tennis zu spielen. Erinnerst du dich? Nein? Hm, dann klingelt vielleicht bei Kunstturnen was? Da war ich allerdings noch recht jung und dir etwas zu unbiegsam. Nein? Immer noch nichts? Gut. Ich gebe auf. Ist aber auch nicht so einfach mit uns beiden.

Nachdem wir in der Schule einen recht miesen Start hatten, konnte ich dich später eigentlich recht gut leiden. Dann wuurdest du mir aber irgendwann zu abgehoben. Und außerdem hatte ich in der Pubertät echt andere Probleme als dich. Sorry, ich bin nur ehrlich. Klassenkameraden und Kommilitonen haben mir aber immer wieder von dir erzählt. Mich quasi auf dem Laufenden gehalten über dich. So bist du mir nie ganz aus dem Kopf gegangen. Sachen wie Freeletics und Bouldern hattest du für dich entdeckt, hieß es. Nicht schlecht. Kein Wunder haben wir den Kontakt zueinander verloren, denn das ist mir alles viel zu anstrengend.

Sport, wir sind damals nicht gerade im Guten auseinandergegangen. Deshalb wollte ich mich noch mal dir melden. Eigentlich wollte ich den Kontakt zu dir sogar irgendwie halten, pflegen. Doch dann kamen wichtigere Dinge dazwischen. Und jetzt, nun ja, denke ich wieder öfter an dich. Du bist ja nicht aus der Welt, dachte ich mir, und irgendwie muss ich schon fast sagen… du fehlst mir ein wenig. Es ist nicht so, dass ich dich richtig vermissen würde. Du kannst ein ganz schöner Quälgeist sein, der einen regelmäßig an seine Grenzen bringt.

Aber irgendwie hattest du auf mich auch eine beruhigende Wirkung. Du warst wie ein Fels in der Brandung, wenn es sonst nichts gab, das mich vom vielen Grübeln hätte abhalten können und warst eine gute Ablenkung, wenn mir alles sonst zu viel wurde. Es waren wenige Momente, aber es gab sie. Zwar haben wir auch oft impulsiv miteinander gestritten, doch ebenso schnell hatten wir beide uns such wieder beruhigt und zusammengerauft.

Schau an, während ich das hier so schreibe werde ich beinahe etwas wehmütig. Vielleicht ist das der Grund, warum ich ausgerechnet jetzt wieder den Kontakt zu dir suche. Bilde dir darauf bloß nichts ein! Sollte das mit uns noch mal was werden, kann ich dir schon vorab sagen: Diesmal gehe ich es langsam mit dir an. Keine unüberlegten Dates, keine Kurzschlusshandlungen, keine Tränen mehr.

Wenn wir es noch mal miteinander versuchen, dann bitte völlig unvoreingenommen. Mein Vorsatz für das Jahr 2018 ist: Ich tue nur noch Dinge, auf die ich Lust habe. Das gilt auch für unsere Beziehung zueinander. Ich lasse mich von dir zu nichts mehr zwingen. Und ich werde mir nicht mehr von anderen einreden lassen, du seist das Beste, was mir passieren könnte. Ich werde mich von dir nicht mehr fertig machen lassen.

Diesmal werde ich mir ganz genau anschauen, was ich an dir mag und was nicht. Was du bereit bist für mich zu tun – und ich für dich. Du solltest übrigens wissen, dass ich inzwischen Mutter geworden bin. Nimm da bitte Rücksicht drauf, denn dadurch sind manche Dinge nun mal anders als früher. Da solltest du entgegenkommend sein.

Und gegeben dem Fall, wir finden einen Zugang zueinander, dann freue ich mich auf die gemeinsame Zeit mit dir. Ich habe mir sagen lassen, mit dir kann man viele schöne Stunden verbringen. Davon lasse ich mich gern überzeugen. Solltest du mir trotzdem irgendwann wieder einen Korb geben, dann bitte wenigstens beim Basketball.

Beste Grüße,

deine Nina

 

PS: Sollte dieser Brief aus Versehen nicht beim Sport, sondern beim grandiosen DJ Sport landen, möchte ich mich an dieser Stelle bei meiner Freundin Chrissi für das mögliche Missverständnis rund um ihren Mann entschuldigen. 😉

 

Ich, Nina, Jahrgang 1986 und Gründerin des Blogs „Ich mach dann mal Sport“, bin Zeit meines Lebens verliebt in Wort und Schrift. Jetzt nehme ich euch mit auf meine Suche nach Motivation und meinen Weg zu mehr Fitness.

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