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Fisch sucht Fahrrad – das ist bei mir nicht nur eine Redewendung, sondern Fakt. Ich, mit bereits genannten Sternzeichen gesegnet, möchte gern eine Beziehung zu einem Rad aufbauen. Größten Wert lege ich dabei auf gegenseitigen Respekt und eine solide Vertrauensbasis. Da ich von Drahteseln in beiden Punkten bislang bitter enttäuscht wurde, besitze ich derzeit kein zweirädriges Gefährt. Doch das soll sich nun ändern, so sehr ich mich auch vor einem Leben auf der Straße fürchte.

Jüngst ließ ich mich dazu überreden, meine Ängste hinsichtlich des Fahrradfahrens zu überwinden. Gleich zwei Tage infolge trat ich in die Pedale, über Stunden hinweg – im echten Leben, nicht vor dem Fernseher oder der Konsole. Sondern in Bayern, vor Alpenkulisse, gemeinsam mit anderen Menschen.

Bevor ich euch teilhaben lasse an meinen glorreichen Erkenntnissen inmitten grüner Weiden, Kuhglockengeläut und ruhig gelegenen Seen, beantworte ich aber erstmal die Frage, die sich wohl jeder stellt: Wie kann es sein, dass jemand, der mitten in München wohnt, kein Fahrrad besitzt? Wie kann man überhaupt irgendwo einen Sommer erleben oder überleben, ohne ein zweirädriges Gefährt unter dem Hintern zu sein Eigen zu nennen? Auf die Gefahr hin, dass mir Leute aus Freiburg handgeschriebene Hassbriefe auf handgeschöpftem Hanfpapier schicken, sage ich: Es geht ganz einfach.

Fahrrad und ich – keine einfache Beziehung

Wenn man ein angeborenes Talent zum Vom-Rad-stürzten hat, wie es mir nun mal vergönnt ist, hält sich die Liebe zum Drahtesel in Ehren. Damit mein Mann und meine Mutter hier keine ellenlangen, mich entblößenden Kommentare unter den Beitrag schreiben müssen, nehme ich ihnen die Arbeit ab und oute mich selbst kurz – mit den beiden Geschichten, die eigentlich jedem erzählt werden, wenn das Stichwort Fahrrad fällt, während ich mich im selben Raum befinde. Auch ungefragt.

Als ich noch so klein war, dass mein Rad rosa war und ich gerade so keine Stützräder mehr gebraucht habe, bin ich mit einem selbstgepflückten Blumenstrauß auf dem Gepäckträger an der Kinzig entlanggefahren. (Das war übrigens im schönen Schwarzwald.) Es war Sommer, ich war stolz wie Bolle – dann kam ein Dackel. Freilaufend. Der wollte meine Blumen und hat vor lauter Enthusiasmus dafür gesorgt, dass ich samt Rad den Damm Richtung Fluss hinabgestürzt bin.

Dieser Schweinehund hat mir den Spaß geraubt

Schrammen übersähten meinen Körper, der blöde Köter einen Strauß für sein Frauchen. Super war das. Meine Mutter ist bis heute der Meinung, dass der Hund mich aus der Bahn geworfen hat. Mein Vater, der es irgendwann aufgegeben hatte, mir Dinge wie Fahrradfahren beibringen zu wollen, weiß es besser. Ich auch.

Mein Mann inzwischen auch, was auf einem Erlebnis viele Jahre später während unseres ersten Sommers in München beruht. Mir wurde damals ein neues Fahrrad geschenkt und ich konnte die erste Radtour damit kaum erwarten. Auf ebener Strecke auf einer breiten Straße irgendwo im Hinterland, fern von Verkehr und anderen Risikofaktoren, ist es dann passiert. Ich bin frontal auf den einzigen Laternenmasten weit und breit aufgefahren. Licht kaputt, Rad schief, Kratzer im Lack, Reflektoren zersprungen, Dynamokabel gerissen, Beule an der Stirn, Finger eingeklemmt.

Wenn etwas so einfach sein soll wie Fahrradfahren

So ist das mit mir und Fahrrädern. Wenn Menschen sagen, etwas sei so einfach wie Fahrradfahren, kann ich nur verständnislos die Stirn runzeln. Mein Wille, die Beziehung zum Rad auf eine neue, sinnvolle und womöglich sogar liebevolle Ebene zu heben, wurde stets eingebremst oder gar gebrochen. Das Letzte, was gebrochen ist, waren übrigens ein Pedal und die Bremsen meines Citybikes. Dieses Bike ist mein mittlerweile fünftes Fahrrad und ebenso am Ende seiner Kräfte angelangt wie seine Vorgänger – und ich selbst. Glaubt bitte nicht, ich würde die Räder nicht zur Reparatur geben, wenn sie ein Wehwehchen haben. Doch selbst die Meister ihres Fachs schütteln in der Werkstatt nur noch ihre Köpfe und raten mir zum Neukauf, wenn sie meine „Opfer“ sehen. Manchmal auch zur Kapitulation.

Letzteres hielt ich für die beste Idee bislang – zum Wohle aller. Fahrräder und ich, wir sind vielleicht einfach nicht kompatibel. Es gibt mehr als nur einen Grund, weshalb Krawalla seit ihrer Geburt nur bei ihrem Papa mitradeln darf, nicht aber bei mir. Wenn wir sie schon mit so viel Energie auf die Welt gebracht haben, dann wollen wir sie auch eine Weile behalten. Mein Mann formuliert daraus eine feste, unerschütterliche Regel: Keine Kinder auf meinem Fahrrad. Daran halte ich mich strikt.

Verfolge deinen Radweg – egal was kommt

Im Zuge eines Kurzurlaubs im Allgäu konnte ich eine Lücke im System in Form eines Kindertransportfahrradanhängers ausfindig machen. Diesen ans Rad geschnallt, durfte ich ausprobieren, ob meine Fahrkunst für den Nachwuchs tatsächlich eine so große Gefahr darstellt wie befürchtet. Das einzige, was bei der Testfahrt jedoch Schaden nahm, war Krawallas Magen.

©dasfotostudio.de/Margot Schönrock-Kimmich

Ich, Nina, Jahrgang 1986 und Gründerin des Blogs „Ich mach dann mal Sport“, bin Zeit meines Lebens verliebt in Wort und Schrift. Jetzt nehme ich euch mit auf meine Suche nach Motivation und meinen Weg zu mehr Fitness.

2 Kommentare: Fahrrad und ich: Meine Angst vor dem Leben auf der Straße

  1. Bikedude sagt:

    Versuchs mit einbeinig Zähenputzen als Balanceübung :-)-

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