Melancholie statt Motivation: Vermisst ihr euch auch so sehr wie ich mich?

Sport-Motivation, Nina-Carissima Schönrock, Melancholie statt Motivation Derzeit beherrscht mich leider eher Melancholie als Motivation. Und ich weiß nicht mal genau, warum eigentlich. ©Nina-Carissima Schönrock / ichmachdannmalsport.de

Na, wer von euch ärgert sich schon ein bisschen über mich, weil ich auf allen Fotos bei Facebook und Instagram immer so toll geschminkt, glücklich und motiviert aussehe? Während ihr euch selbst nicht mal mehr die Achseln rasiert, geschweige denn Bock auf Sport habt? Für all diejenigen, die mich demnächst eigentlich hassen wollten, weil bei mir alles super ist und gar nicht so sportanfängermäßig und frustrierend, wie es sich gehören sollte bei einem solchen Blog, ist dieser Beitrag. Denn Frust habe ich derzeit noch mehr als Achselhaare.

Zeit und Muße – ein tückisches Gespann

Da ist sie, die neue Woche. Es ist schon Dienstag, wow. Hinter mir liegt ein turbulentes Wochenende mit der Familie, und eigentlich müsste ich mich, frisch erholt vom stressigen Alltag, voller Tatendrang in neue Aufgaben stürzen. Die Liste eben dieser Aufgaben ist lang: Zum Beispiel warten einige Interviews noch darauf, von mir in geschriebenen Text umgewandelt zu werden. Vermutlich fragen sich Food Coach Birgit Engert oder auch einer der führenden Allergologen in Deutschland, Prof. Dr. Jörg Kleine-Teppe, ob ich die unfassbar spannenden und informativen Gespräche mit ihnen überhaupt jemals verwenden werde. Doch ich finde die Zeit nicht, mir meine Aufnahmen noch mal in Ruhe anzuhören und sie zu verschriftlichen.

Einige Interviews warten überhaupt noch darauf, geführt zu werden. Die wunderbare Bernadette von Sportblog.cc wartet seit Wochen, dass wir einen gemeinsamen freien Termin für ein Telefonat finden und der Gründer von Schnupperkurs.de dürfte mittlerweile verärgert sein, weil ich unseren Interviewtermin immer weiter nach hinten verschiebe. Außerdem stehen einige Kooperationen in den Startlöchern, wofür noch viele spannende Beiträge geschrieben werden müssten. Für Les Mills wollte ich neben Bodypump längst weitere Kurse getestet und für die Fitnessbuddy-Suchmaschine SPRT Gastbeiträge für ihren Blog geschrieben haben.

Ihr vermisst mich schon? Ich mich auch.

Dazu liegen auf meinem Schreibtisch jede Menge angefangene Artikel, die ich euch längst als Lektüre ans Herz legen wollte. Lesenswertes rund um Outdoor-Sport-Möglichkeiten, Krafttraining für zu Hause und Sport im Herbst. Geile Sachen, ehrlich! Doch ich schaffe es momentan nicht, sie fertigzustellen. Und das sind nur die Dinge, die ich (wenngleich mit viel Herzblut) für diesen meinen liebsten Fitness-Blog für Sportanfänger „Ich mach dann mal Sport“ auf der Agenda habe. Klingt nach viel Kram, geht mir aber unter normalen Umständen irre leicht von der Hand. Normalerweise.

Dass ich gerade nichts auf die Kette kriege, macht mich wahnsinnig. Allein die Tatsache, dass ich mich derzeit nicht aufraffen kann, mich um mein liebstes Hobby zu kümmern – nämlich Sport in Tat und Blog – ärgert mich. Ganz unglaublich sogar. Denn für mich ist Bewegung ein Ventil für Kopf und Körper, das ich nicht nur gerne mag, sondern auch brauche.

„Lass dir doch erstmal Zeit!“

„Vergiss nicht, du bist ja auch gerade erst noch mal Mutter geworden!“, sagen Menschen, denen ich von meiner aktuellen Schaffenskrise erzähle. „Mit zwei Kindern ist ja eh alles noch mal ganz anders“, heißt es dann meist. „Lass dir doch Zeit und finde dich erstmal in diese neue Rolle ein.“ Das ist ganz lieb gemeint von meinem Umfeld. Solch Verständnis sucht man als Mutter ja oftmals eher als das man es bekommt.

Ich will jetzt nicht angeben oder jemandem zu nahe treten oder so, aber tatsächlich kann ich diesmal nach Kind zwei sagen: Ich bin angekommen. In der neuen Rolle, in meinen neuen Aufgaben, in der neuen Gesamtsituation. Tschakka! Nach Krawallas Geburt war das damals GANZ anders. Momentan kann ich aber sagen: Das passt schon alles. Wenn der Mini nicht gerade Schnupfen hat, ist der das ruhigste und umgänglichste Baby der Welt – und Krawalla ist voll in ihrem neuen Leben als Kindergartenkind angekommen. Soweit, so fein. (Das ist jetzt vermutlich die Stelle im Text, bei der die Psychotherapeuten unter euch sich in ihrem Sessel zurücklehnen und die Beine übereinanderschlagen.)

Melancholie statt Motivation

Dennoch tue ich mich gerade schwer damit, richtig fröhlich oder zufrieden zu sein oder mich für Dinge begeistern zu können. Das Wort „glücklich“ wurde ich den vergangenen Jahren so schändlich misshandelt, dass ich es bewusst außen vor Kasse. Meine Tage werden beherrscht von einer gewissen Grundmelancholie, gepaart mit schier bedingungsloser Prokrastination. Ich fühle mich gegenüber der Welt im Großen und Ganzen höchst undankbar aufgrund meiner eigentlich recht komfortablen Situation voller First-World-Problems. Das ändert aber nichts an meinem Befinden, geschweige denn meinen Befindlichkeiten.

Das wirkt sich nicht nur auf mein Arbeitspensum und die Möglichkeit der Bewältigung aus, sondern auch auf mein Essverhalten. Ich schnippele mir in der Früh Banane und Apfel in meinen Skyr und esse dann stattdessen ein Wurstbrot. Drei Tassen Kaffee später ermahne ich mich selbst, mein gesundes Frühstück zu kredenzen, da ich mich im Gegensatz zu anderen Lebewesen nicht auf einen Winterschlaf vorbereiten muss. Und verspeise dann die Portion Späztle mit Fertigsoße von der Schwiegermutter vom Vortag, obwohl sie als Abendessen für Krawalla eingeplant war.

Ich entschuldige mich herzlichst.

Ja, der Herbst schlägt aufs Gemüt. Ja, die Abwesenheit von Sonnenschein und Wärme sind spürbar. Ja, der Appetit verändert sich in der kalten Jahreszeit ebenso wie die Motivation für bestimmte Dinge. Aber so? Nein. Will ich nicht. Mag ich nicht. Ich habe keinen Bock mehr, keinen Bock zu haben. Erkenne ich mich gar nicht wieder. Einige von euch hoffen vermutlich noch immer darauf, dass dieser Beitrag einen gewissen Mehrwert für sie bereithält. Aber ich fürchte, dass ich euch tatsächlich einfach nur mitteilen wollte, wie es mir seit einigen Wochen geht. Ein bisschen jammern und mich erklären.

„Das wird schon wieder“, denkt ihr euch bestimmt. Dessen bin ich mir sicher, das wird schon wieder. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt. Ich möchte mich an dieser Stelle aber auf jeden Fall bei allen entschuldigen, die sich so sehr gewünscht haben, dass ich endlich wieder Sportarten für sie ausprobiere und darüber berichte. Außerdem entschuldige ich mich bei allen, die mir nahe stehen, dafür, dass ich mich derzeit vielleicht nicht so sehr um sie bemühe wie ich es sonst tue, sie es von mir gewohnt sind oder sie es von mir erwarten. „Das wird schon wieder“, sage ich euch. Im Moment fehlt mir nur einfach die Energie. Für so ziemlich alles. Sport könnte helfen. Aber dafür müsste ich ja Sport machen.

Geht’s euch da genauso? Wie geht’s euch eigentlich?

Und während ich das hier so schreibe, fällt mir auf: Haste ja doch wieder einen neuen Beitrag fertiggestellt für den Blog. Ja, habe ich. Gut so. Vielleicht ist das ein erster Schritt zurück zur Motivation meiner Selbst für Dinge, die ich liebe. Wie diesen Blog zum Beispiel. Oder euch. Ihr, die ihr all euren Freunden bitte längst einen Link zu dieser Seite oder eine Einladung zur Facebook-Seite von „Ich mach dann mal Sport“ geschickt habt, weil ihr mögt, was ich hier tue und wollt, dass auch andere mein Geschreibsel lesen, sich verstanden fühlen und sich gemeinsam mit mir (wieder) für mehr Bewegung in ihrem Leben begeistern können.

Denn das ehrliche Interesse anderer Menschen an dem, was man tut, kann schließlich auch schon eine gewaltige Motivation für einen sein. #rausausdemlochderherbstistauchnureinejahreszeit

 


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