Ausprobiert: Eine Woche Wim-Hof-Methode im Selbstversuch

Wim-Hof-Methode im Selbstversuch Ich habe die Wim-Hof-Methode im Selbstversuch ausprobiert und mich dabei so gefühlt wie der Mann auf diesem Foto. © www.freepik.com / created by drobotdean

Die Wim-Hof-Methode im Selbstversuch: So lief es für mich

„The Iceman“ verspricht, dass man mit der richtigen Atemtechnik, einer kleinen Kältetherapie für zu Hause und der Kraft seiner Gedanken nie wieder krank wird. Klingt das zu schön, um wahr zu sein? Oder ist die Wim-Hof-Methode tatsächlich so gut, wie seine Anhänger behaupten? Ich habe die Wim-Hof-Methode im Selbstversuch ausprobiert und möchte euch nicht vorenthalten, wie es mir damit ergangen ist.

Um so schwere Bedingungen wie nur irgend möglich zu schaffen, hatte ich meinen Selbstversuch bereits im Februar dieses Jahres gestartet. Februar, das ist für mich inzwischen die Zeit, in der wirklich alle Kinder im Kindergarten krank sind. Das könnte mir egal sein, da meine Tochter selbst eigentlich eher selten erkrankt. Doch fungiert sie hervorragend als kleiner Haus-und-Hof-Überträger, was meinen Mann und mich meist in die Bredouille bringt.

Ich sitze zu Hause und warte auf die nächste Erkältung

Es ist also Februar. Ich sitze mal wieder in Panik vor der nächsten Erkältung zu Hause und melde mich für Wim Hofs Mini Class an. Die ist nämlich kostenlos, vermittelt einem angeblich aber schon alles, was man für lebenslange Gesundheit wissen muss. Zwar gibt es auch einige Videos im YouTube-Kanal des Meisters, die einem die Methode oder Wim Hof selbst noch etwas näher bringen. Dort fehlen aber eben leider die ausführlichen Erklärvideos zu den drei grundlegenden Schritten zur Wim-Hof-Methode.

Nach meiner Anmeldung für die Mini Class kann ich direkt starten: Einmal die E-Mail-Adresse eingeben und bestätigen, schon kann ich mir die meist rund 15-minütigen Videos anschauen. Da jedes Video direkt mit der konkreten Anwendung verbunden ist, habe ich mir dafür tatsächlich etwas Zeit eingeplant für den Anfang.

Ich atme in die Untiefen meines Körpers für einen höheren Zweck

Erste Lektion: Atmen. Endlich darf ich die Wim Hof zufolge richtige Atemtechnik erlernen. Ich atme ohnehin selten in die Brust, sondern meist tief in den Bauch, weshalb es mir recht leicht fällt, in diese Atmung zu finden. Seltsam ist sie allerdings schon: Es gilt nämlich, in den Bauch, die Brust und in den Kopf gleichzeitig zu atmen. Wie das geht zeigt und erklärt Wim Hof dankenswerterweise in seinem Video.

Ich lege mich auf den Boden, aus Angst, während der Übung ohnmächtig zu werden. Es ist eine gute Entscheidung: Nach der ersten Ausführung der Übung, die ich euch ja bereits an anderer Stelle ausführlich beschrieben habe, ist mir schwindelig. Ich schiebe das auch ein wenig darauf, dass ich diese Übung morgens auf nüchternen Magen mache. Das empfiehlt der Meister aber an irgendeiner Stelle, also hinterfrage ich es erstmal nicht weiter.

Ich kann unfassbar lang die Luft anhalten und wusste es gar nicht

Sauerstoff rein, Säure raus aus dem Körper. Insgesamt soll die Übung anfangs aus drei Runden bestehen. In der Runde wird die Zeit gestoppt, wie lange wir nach dem Ausatmen nicht wieder einatmen müssen. Während ich übe, sinkt mein Puls. Auch das ist gewünscht, wird dadurch doch der Stress in meinem Körper reduziert. Wenige Minuten später wird mir fürchterlich kalt. Ich verspüre Druck auf den Ohren und ein Kribbeln ini meinen Armen und Händen. Ist das etwa dieser Sauerstoff, der da durch meine 100.000 Kilometer langen Blutgefäße schießt?

Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde ich mich selbst bewusst ohnmächtig atmen müssen. Dieses Gefühl mag ich nicht besonders, muss ich zugeben. Doch der Effekt, immer länger ohne Atem auskommen zu können, tritt tatsächlich ein: In der ersten Runde kann ich meinen Atem 26 Sekunden lang anhalten, in der zweiten Runde 56 Sekunden, in der dritten Runde ganze 70 Sekunden. Dass ich 1:10 Minuten die Luft anhalten kann, nachdem ich nicht ein-, sondern ausgeatmet habe, fasziniert mich. Sehr sogar. Nach der Übung muss ich erstmal auf die Toilette. Detox-Fans würden sagen, es wirkt schon.

Nachdem sich am ersten Tag gleich ein solcher Erfolg eingestellt hat, habe ich mich auf die kommenden Tage gefreut. Zurecht: Am Ende der Testwoche komme ich geschlagene zwei Minuten lang ohne Luft aus. Das Gefühl, das sich dabei einstellt, gleich einem meditativen Zustand, den ich mittlerweile richtig mag. Ob ich das Atmen jeden Tag beibehalten werde in Zukunft, kann ich allerdings nicht garantieren. Insgesamt nimmt das Prozedere doch mal gut eine Viertelstunde in Anspruch, wofür mir manchmal ganz einfach die Geduld fehlt. Ist ja trotz allem auch etwas anstrengend, diese Atemtechnik.

Eigentlich ist mir immer zu warm oder zu kalt

Zweite Lektion: Kältetherapie. Kälte und ich, das ist so eine Sache. Mir ist es nämlich entweder zu warm oder zu kalt. Einen Mittelweg gibt es für mich genau bei 22 bis 23 Grad Celsius. Wie oft diese meine Wohlfühltemperatur herrscht, wisst ihr selbst. So gut wie nie. Ich lerne also bei der Wim-Hof-Methode im Selbstversuch auch, mich der Kälte zu stellen und herauszufinden, wo meine persönlichen Grenzen sind.

Da mir kein Eismeer zur Verfügung steht, entscheide ich mich für die Dusche und folge der Anleitung des Meisters. Diese könnt ihr noch mal in meiner ausführlichen Beschreibung der Kältetherapie nachlesen. Ich soll nach meiner üblichen armen Dusche die Wassertemperatur so weit senken, dass ich am Ende bei 12 bis 13 Grad kaltem Wasser dusche. Schaffe ich es länger als zwei Minuten, setzt laut Wim Hof die Thermogenese ein.

Die große Veränderung von Tag 1 zu Tag 7

An Tag 1 des Selbstversuchs der Wim-Hof-Methode geht mich die Thermogenese noch nichts an: Nach 20 Sekunden halte ich die Kälte nicht mehr aus. Während dieser 20 Sekunden spüre ich allerdings eine Veränderung in der Wahrnehmung der Kälte: Mein Körper scheint eine Art Schutzschild aufzubauen, die meine Haut „taub“ werden lässt gegen die Kälte. Als ich schließlich aus der Dusche steige, ist mit mollig warm. Mein Kopf ist frei, meine Gedanken sind klar, ich bin wach. Ich mag das.

Nach einer Woche bin ich ziemlich stolz auf mich: Die zwei Minuten, die Wim Hof für kaltes Duschen empfiehlt, schaffe ich. Gut sogar. Es ist noch immer nicht so, dass sich die Kälte selbst gut anfühlen würde. Wenn ich die erlernte Atemtechnik im kleinen Rahmen jedoch unter der Dusche anwende und dabei meinen Kopf ausschalte, geht es gut. In dieser Phase kann ich tatsächlich gar nicht mehr sagen, ob ich warm oder kalt dusche. Mir fehlt das Gespür auf der Haut, weil ich mich gar nicht erst darauf konzentriere.

Ich denke mir ein starkes Immunsystem

Dritte Lektion: Die Kraft des Geistes. An dieser Stelle besteht vermutlich am meisten Übungsbedarf, weil sich zumindest mir nicht auf Anhieb erschlossen hat, inwiefern diese dritte Säule die beiden anderen noch übertreffen sollte. Wenn Atemtechnik und Kältetherapie bereits alle körperlichen Prozesse in Gang setzen, die es braucht, um ein starkes Immunsystem und gute Laune zu haben.

Warum ist die geistige Ebene hier trotzdem noch von so großer Bedeutung? Bei Methoden ganz ohne dieses wissenschaftlich-biologische Fundament verstehe ich, dass ich auf positives Denken angewiesen bin. Doch genau das soll die Wim-Hof-Methode ja von so vielen anderen unterscheiden. Für den Selbstversuche tue ich nun trotzdem einfach das, was Wim Hof sagt: Denke an das, was du willst. Warte fünf Minuten. Dann gehe los und tue es einfach! Ohne nachzudenken. Zack, läuft.

Geht es darum bei der Wim-Hof-Methode im Selbstversuch?

Denn mit der Atemtechnik machen wir unseren Kopf frei, mit der Kälte richten wir unseren Geist aus. Nutzen wir dieses Potenzial und gehen endlich all die Dinge an, die uns unserer Meinung nach glücklich machen, ist unser Vorhaben zwangsläufig von Erfolg gekrönt. Dafür muss einem erstmal jeden Tag etwas einfallen, das man unbedingt tun möchte, geht aber schon irgendwie.

Eine Woche lang ziehe ich das durch mit der Wim-Hof-Methode im Selbstversuch. Jeden Morgen atme ich mir noch im Bett liegend einen Wolf, gehe dann kalt duschen. Nach der Dusche wird das Tagesziel festgelegt und dann geht’s los. Doch was hat sich nach dieser Woche für mich und mein Leben verändert?

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