Yoga. Wow. Ich traue mich kaum, das Wort zu schreiben. Weil ich Angst habe, ich könnte nicht ehrfürchtig genug sein. Diese vier Buchstaben sind in unseren Breitengraden mittlerweile zu einer Art Religion geworden. Längst mehr als ein neuer Lebensstil. Es ist eine Lebenseinstellung, Befreiung, Offenbarung, Erleuchtung, mentale wie körperliche Transformation. Ein Allheilmittel für Gestresste und Suchende. Für mich war Yoga aufgrund all dessen hauptsächlich eines: eine überschätzte Sportart. Was ich dann erlebte, machte mich fassungslos.

Hormon-Yoga für Frauen mit Kinderwunsch. Faszien-Yoga gegen Verspannungen. Meditatives Hatha-Yoga. Flow-Yoga für den inneren Tanz des eigenen Atems. Yoga mit spiraldynamischen Prinzipien. Bikram-Yoga bei 40 Grad Celsius. Es scheint, als gäbe es für wirklich alle Lebenslagen, Gebrechen und Umstände den passenden Stil. Selbst für einzelne Körperteile ist gesorgt, wie etwa beim Toega für die Füße.

Eine tolle Sache. Vielleicht brauchen wir gar keine Ärzte mehr, sondern nur noch Yogis. Ich muss zugeben: Für mich klang dieser Trend jahrelang nach spirituellem Blödsinn. Warum sollte mein Leben besser werden, wenn ich in einem viel zu warmen Raum gemeinsam mit jeder Menge fremder Leute kollektiv ein- und ausatme? Doch die Anhänger der indischen Lehre wurden stetig mehr – auch in meinem Bekanntenkreis.

Kolleginnen planten plötzlich keine Abenteuerurlaube mehr, sondern verkrochen sich wochenlang in Yoga-Camps. Manch eine meinte, dort sich selbst gefunden zu haben. Andere kamen sogar als zertifizierte Yogalehrerinnen zurück. Gleich zwei meiner besten Freundinnen vertreten die Meinung, die kunstvollen Dehnübungen hätten ihr Leben von Grund auf verändert. Sie seien nun entspannter, erfolgreicher im Job und hätten kaum mehr Beziehungsprobleme. Quasi nur noch einen Meter weg vom CEO-Sessel – dem herabschauenden Hund sei Dank. Ja, ja. Ich weiß, wie das klingt.

Alle atmen sich zum Weltfrieden – ich hechle wie ein herabschauender Hund

Möglicherweise schwingt in meiner Stimme etwas Neid mit. Neid darauf, wie gelenkig all diese Yogatreibenden sind, wie glücklich, wie straff. Also habe ich es ausprobiert. Vom einstündigen Kursvideo für zu Hause bis hin zum schweißtreibenden Gruppenerlebnis. Sowohl auf der Matte vor dem Fernseher als auch im Studio um die Ecke habe ich bewusst mehrere Kurseinheiten absolviert, um mir ein reflektiertes Bild von Yoga machen zu können. Wobei heimisches Veknoten bislang mein persönlicher Favorit ist. Was schlichtweg daran liegt, dass ich zu Dreifach-Müttern mit Waschbrett auf dem Fernsehbildschirm per se ein distanzierteres Verhältnis haben kann als wenn sie direkt neben mir sitzen.

Ja, Yoga und ich. Das ist was. ©Nina-Carissima Schönrock

Ja, Yoga und ich. Das ist was. Etwas, bei dem ich selbstverständlich KEINE Turnschuhe mehr trage. ©Nina-Carissima Schönrock

Was mich anfangs etwas überfordert hat, sind die vielen Namen der Übungen, auch Asanas genannt. Vom herabschauenden Hund in irgendwelche Krieger – das ging mir manches Mal zu schnell. Bis heute habe ich nur den Hauch einer Ahnung davon, wie die einzelnen Asanas heißen. Wichtig ist nur, dass ich weiß, was zu tun ist, wenn ich einen bestimmten Begriff höre. Das geht mittlerweile ganz gut.

Worunter ich aber wochenlang gelitten habe, ist, dass bei mir gefühlt kein Fortschritt stattfand. Auch nach mehreren, regelmäßigen Stunden für für mich vieles eine Qual. Meine Hände vor mir auf den Boden zu stellen etwa oder meine Beine gestreckt zu lassen in unterschiedlichen Positionen. Das ist für mich ohnehin bei allem außer dem menschlichen Aufrechtgehen eine Herausforderung. Begebe ich mich in eine Haltung, in der alle anderen Entspannung erfahren, dehnen sich meine Bänder bis knapp an die Schmerzgrenze.

Üben, üben, üben

Als schmerzhaft empfinde ich viele Übungen noch immer, wenngleich als angenehmer als noch am Anfang. Der gewünschte Effekt des mentalen Ausgleichs ist bei mir bislang ausgeblieben. Das mag aber auch daran liegen, dass ich mich noch viel zu sehr auf das korrekte Ausführung der Asanas und meine Atmung konzentriere. Abschalten? Geht nicht. Das ist aber ein grundsätzliches Problem meinerseits – auch bei Meditationen und Achtsamkeitsübungen.

So groß die Entwicklungsmöglichkeiten im geistigen Bereich der yoga’schen Erleuchtung bei mir noch immer sind, so erfreulich ist das, was mein Körper inzwischen als Erfolgsnachweis erbringen kann. Auch ich gehöre nun zum Kreis der Hautgestrafften. Die hocherotischen Hügellandschaften an meinen Oberschenkeln wurden zu meiner persönlichen Überraschung eingeebnet. Allein aus diesem Grund werde ich wohl noch einige Wochen länger die Sonne grüßen.

Wie viele Kalorien werden pro Stunde verbrannt?

Je nach Kurseinheit verbrennt man zwischen 180 bis sogar 650 Kalorien. Je entspannender der gewählte Stil, desto ruhiger der Stoffwechsel. Wer sich allerdings für einen echten Power-Kurs entscheidet (etwa Bikram oder Vinyasa), bringt den Körper auf Hochtouren und verbrennt ähnlich viele Kalorien wie während einer Stunde HIIT-Training oder Bodypump.

Sind Vorkenntnisse oder Erfahrung nötig?

Nein. Yoga ist tatsächlich für alle Altersklassen und Fitnesslevel geeignet. Denn für wirklich jedes Alter und jede Stufe gibt es entsprechende Kurse. Vom Anfänger bis hin zum Profi. Dabei ist die Auswahl der Kurse beinahe grenzenslos. Wer durch Yoga zur inneren Ruhe gelangen will, wird bei den Angeboten ebenso fündig wie Tanzfreunde mit ausgeprägtem Bewegungsdrang.

Ist Yoga für Sportanfänger geeignet?

Absolut, wenngleich natürlich nicht jeder Stil oder Kurs. Es werden aber beinahe in allen Fitnessstudios und Yoga-Ateliers explizit Anfängerkurse angeboten. Checkt am besten auch mal das Kursangebot eurer gesetzlichen Krankenkasse ab. Die meisten bieten Kurse an, die einem ein erstes Reinschnuppern in diese Sportart ermöglichen und auf die man mit Fortgeschrittenenkursen aufbauen kann. Und für die sie auch die Kosten erstatten!

Ist die Sportart gut als Ausdauertraining geeignet?

Eingeschworene Yogis sagen vermutlich: Natürlich! Schließlich ist Yoga für alles geeignet. Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass Asanas eine tolle Ergänzung zu eurem Ausdauertraining darstellt, aber keinen Ersatz. Zwar können Anfänger bei einer schnellen Abfolge der Übungen durchaus in Schwitzen gerade. Das hat allerdings mehr mit einem Mangel an Ausdauer zu tun und mit Ausdauertraining.

Ist die Sportart gut als Krafttraining geeignet?

Hier gilt das gleiche wie auch bei der Frage nach der Ausdauer: Als Trainingsergänzung sind Hatha, Bikram und Co. wunderbar geeignet. Wer viel Yoga macht, wird fokussiert beim Ausführen von Übungen – sowohl bei den Asanas, als auch beim Krafttraining. Wer seinen Körper genau kennt, seine Atmung, seine Muskulatur, kann dieses Wissen beim Muskelaufbau gezielt nutzen.

Ist die Sportart für Menschen mit Gelenkproblemen geeignet?

Auf jeden Fall. Yoga ist, sofern man die Asanas richtig ausführt (was ja aber für jede Sportart gilt), absolut gelenkfreundlich. Immer vorausgesetzt, man ist gut aufgewärmt und übertreibt es nicht. Vom Lotussitz bis hin zur Kobra hat nämlich alles nur so lange einen Nutzen für Körper und Geist, bis die Bänder überdehnt und Gelenke verdreht werden.

Was man daher keinesfalls unterschätzen sollte, sind mögliche Verletzungen. Dieser Sport ist nämlich keinesfalls reine Entspannung, sondern durchaus Anstrengung und Belastung für den Körper. Das Verletzungsrisiko ist ähnlich hoch wie bei Profi-Fußball, glaubt man Experten und neuesten Studien. Selbst erfahrene Yogis sind vor Muskelzerrungen, entzündeten Nerven und gereizten Gelenken nicht gefeit.

Wie abwechslungsreich ist dieser Sport?

Genau genommen fallen mir nicht viele Sportarten ein, die noch abwechslungsreicher sind als diese. Aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Lehren, Übungen und Stile ist für wirklich alles und jeden was dabei. Anfänger auf der Suche nach Entspannung kommen ebenso sehr auf ihre Kosten wie Fortgeschrittene mit Drang zu Belastungssport bei Hitze. Es gibt nichts, was es nicht gibt – und das für beinahe alle Erfahrungslevel. Schon während einer kurzen Recherche habe ich Kurse zu folgenden Stilen gefunden:

Hatha: Der „Klassiker“, sehr gut für Anfänger geeignet
Vinyasa: Etwas anstrengender als Hatha mit intensivem Stretching
Bikram: Auch bekannt als Hot Yoga. Rund 26 Übungen bei mehr als 40 Grad Zimmertemperatur
Kundalini: Mehr für Geist und Seele, mit Hauptaugenmerk auf dem Energiefluss des Körpers
Viniyoga: Individuelle Asanas in Abstimmung auf die Bedürfnisse und die Gesundheit der Schüler
Iyengar: Sehr dynamisch, trotzdem auch für Anfänger geeignet
Jivamukti: Körperlich recht anspruchsvoll, mit Medidationseinheiten
Anusara: Hier dreht sich alles um die Öffnung der Chakren, damit der Energiefluss im Körper wieder stimmt
Yin: Besonders sanft, viele tiefe Dehnungen, zur Stärkung der Gelenke geeignet
Acro: Die Asanas sind als Partnerübungen konzipiert
Luna: Soll der Heilung des Körpers dienen, setzt stark auf die Wahrnehmung des eigenen Selbst
Kriya: Sollte nur unter Aufsicht mit einem erfahrenen Yogi praktiziert werden, da es hier sehr um Selbstdisziplin und Hingabe geht.

Außerdem gibt es natürlich noch neuere Trends wie Lach-Yoga, CrossFit-Yoga oder auch Gesichts-Yoga. Wer sich da schon mal rangetraut hat, möge seine Erfahrungen liebend gern mit mir teilen!

Ich, Nina, Jahrgang 1986 und Gründerin des Blogs „Ich mach dann mal Sport“, bin Zeit meines Lebens verliebt in Wort und Schrift. Jetzt nehme ich euch mit auf meine Suche nach Motivation und meinen Weg zu mehr Fitness.

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