Wenn der Drang nach Wettbewerb die Motivation tötet

Wettbewerb ist nicht immer gut für die Motivation. ©Designed by Freepik Wettbewerb ist nicht immer gut für die Motivation. ©Designed by Freepik

Wettbewerb fördert uns! Wettbewerb ruiniert uns. Ob im Leben oder im Sport. Hört man sich ein wenig um und liest sich in wissenschaftliche Lektüre ein, scheinen diese zwei Seiten der Medaille das Ergebnis zu sein. In einer leistungsorientierten Gesellschaft, wie wir sie haben, ist das kein Wunder. Ich für meinen Teil habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass Wettstreit bei mir hauptsächlich für eines sorgt: Dass ich die Motivation und den Spaß an etwas verliere.

Ich war nie wirklich ein Wettkampf-Typ. Überhaupt nicht. Genau genommen war das Wettbewerbsszenario immer genau das, was mir die Freude an etwas genommen hat. Nicht, weil ich schlecht abgeschlossen hätte, ganz und gar nicht. Vielmehr weil ich Dinge, die mir Spaß machen, noch lieber mache, wenn mich dabei niemand außer ich mich selbst unter Druck setze. Das war bei mir schon immer so. Das heißt nicht, dass ihr diese Erfahrung oder meine Meinung dazu teilen müsst.

Wettbewerb als Motivation

Leider habe ich als Kind und Heranwachsende stets die Erfahrung gemacht: Wenn man etwas wirklich gut kann, wird man in einen Wettkampf geschickt. Aus Tennis-Trainingsstunden wurde plötzlich die Juniorinnen-Liga. Aus Geräte- und Kunstturnen wurden landesweite Leistungsturn-Wettkämpfe. Selbst aus dem Klavierunterricht wurden große Konzerte und „Jugend musiziert“-Teilnahmen. Doch jedes Mal, wenn ich eine Medaille, einen Pokal oder eine Urkunde mit nach Hause gebracht habe, war für mich eines klar: Ich will nicht mehr.

Meine Eltern sind geplatzt für stolz. Sie waren der Meinung, dass meine Motivation ja durch die Erfolgsbekundung nur noch größer werden müsste. Fehlanzeige. Das ständige Ellenbogen zeigen und sich mit anderen messen hat mich genervt. Leute, mit denen ich sehr gern Zeit verbracht habe, wurden zu Konkurrenten. Dinge, die ich sehr gut konnte, weil ich sie schlichtweg gern gemacht habe, wurden zu Dingen, die mir eine Last wurden. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das nicht die Schuld meiner Eltern war. Die Wettstreit-Ideen stammten meist von Lehrern, Trainern. Oder den Eltern anderer Kinder, die durch den Wettbewerb lernen sollten, sich von anderen Kids „eine Scheibe abzuschneiden“.

Vergleichen ist gut – wenn der Spaß dabei erhalten bleibt

Versteht mich nicht falsch: Natürlich ist ein gewisses Vergleichen sicherlich für irgendetwas gut. Kinder lernen so, ihre eigenen Erfolge messen zu können und sich in der Gesellschaft zu behaupten. In einer Gesellschaft, in der sich schließlich alles um Erfolg dreht und darum, wer besser, schneller, größer, erfolgreicher, toller, wichtiger, reicher ist. Ob man das gut findet, sei dahingestellt. Der Shitstorm ist mir sicher, ich weiß. Mir, die ja selbst die Karriereleiter hochgeklettert ist und natürlich will, dass ihr Kind eines Tages ein tolles Leben führt mit allem, was es sich wünscht.

Dennoch: Ich würde meine Tochter gern so lange wie möglich einfach nur Kind sein lassen. Doch Kindergarten und Schule werden uns da frühzeitig einen Strich durch die Rechnung machen. Denn: Konkurrenzkampf ist nun mal schon im jüngsten Kindesalter etwas, vor dem das eigene Kind nicht bewahrt bleibt. „Mein Kleid ist aber viel schöner als deins“ ist ein Satz, den ich neulich von einer 4-Jährigen gehört habe. Und von dieser Kleinen weiß ich, dass es definitiv nicht der Einfluss der Eltern ist, der sie so etwas zu einer 2-Jährigen sagen lässt.

Nun bin ich etwas abgeschweift. Hier geht es schließlich nicht um meine Kleine, sondern um mich. Mich und mein Verhältnis zum Thema Motivation. Und das sieht folgendermaßen aus: Wenn mir etwas Spaß macht, blühe ich auf und entwickle einen ausgeprägten Ehrgeiz. So ist ja beispielsweise auch dieser Blog für Sportanfänger entstanden. Ich wollte meine einstige Liebe zum Sport wiederbeleben und habe es nun geschafft. Weil ich wieder Spaß daran gefunden habe. Na gut, und weil ich die körperlichen Einschränkungen der vergangenen drei Jahre endlich hinter mir lassen konnte.

Provokation ist nicht gleich Motivation

Auf diesem Weg spielt ihr alle, die das hier lest, eine große Rolle. Nicht, weil ich mich über die Meinung anderer definiere, sondern weil euer Zuspruch mich motiviert. So einfach ist das. Ruft jemand „Weiter so! Du schaffst das!“ ist das etwas sehr Schönes. Heißt es hingegen „Schau mal, die Melanie kann das aber besser als du“ oder „Das kannst du noch besser, das weiß ich“, dann ist das für mich eine plumpe Provokation.

Das hat nichts damit zu tun, dass man jemanden motivieren möchte. Das ist ein reines Vergleichsspiel, das genau dann funktioniert, wenn man den, der so etwas sagt, nicht enttäuschen möchte. Jemanden anderen zu enttäuschen ist mit einem schlechten Gefühl verbunden. Ob das die eigenen Eltern oder der Chef sind, ist dabei erstmal egal. Schafft man etwas hingegen aus den eigenen Beweggründen heraus, hat dabei Spaß und am Ende auch noch Erfolg, ist das meiner Meinung nach die weit bessere Variante.

Was motiviert mich denn dann zum Sport?

Nun kommt die Brücke zum Sport: Ich habe mich endlich aufgerafft, etwas zu tun. Ich integriere Sport langsam, aber sicher in meinen Alltag. Dabei erhalte ich Zuspruch von den unterschiedlichsten Personen: Familie, Freunde und Bekannte melden sich ebenso zu Wort wie entfernte Arbeitskollegen oder auch wildfremde Menschen, die einfach nur gut finden, was ich da mache. Es ist der absolute Hammer, wirklich. (Danke an dieser Stelle übrigens noch mal an alle!) Die Punkte „Beweggründe“ und „Spaß“ kann ich also guten Gewissens mit einem Häkchen versehen.

Fehlt noch der Erfolg. Als erfolgreich würde ich mein Vorhaben dann bezeichnen, wenn ich wirklich regelmäßig Sport mache, sich mein Fitnesslevel deutlich verbessert hat. Erfährt mein Körper dadurch insgesamt ein kleines Upgrade, sage ich dazu nicht „nein“. Ein Stück des Weges geht hierbei übrigens eine meiner besten Freundinnen mit mir: Tina. Sie hatte mit mir 2018 eine Sport-Challenge am laufen, bei der wir 40 Tage lang quasi gemeinsam trainiert haben – wenn auch mit räumlicher Distanz. Das war der Wahnsinn.

Solch eine Sport-Challenge würde ich auch dieses Jahr gern wieder starten. Angesichts der Schwangerschaft weiß ich nur noch nicht so recht, zu was ich in den nächsten Wochen überhaupt fitnesstechnisch in der Lage sein werde. Vielleicht geht’s in der nächsten Challenge darum, jeden Tag IRGENDWIE Bewegung in den Alltag zu integrieren? Das wäre doch was. Machbar. Motivierend. Nicht zermürbend. Eine Challenge mit Erfolgsgarantie – bei der sich lediglich das Erfolgslevel der Teilnehmer unterscheiden wird. Ich glaube, ich habe da eine Idee…

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