Eiweiß-Ernährung und ich: Mein Erfahrungsbericht zum Selbstversuch

Eiweiß Ernährung Frau Eiweiß und ich? War ein Versuch, der etwas anders lief als erwartet. ©Nina-Carissima Schönrock/ichmachdannmalsport.de

Vor einigen Monaten hatte ich meine Ernährung komplett auf Eiweiß umstellt. Zu diesem Schritt hatte ich mich nach der Stoffwechselanalyse bei einer Ärztin entschieden. Frau Doktor hatte mir damals mitgeteilt, dass mein Fett-Muskel-Verhältnis durchaus noch Optimierungspotenzial hätte. Doch wie hat sich diese Ernährungsumstellung auf meinen Körper ausgewirkt? Das verrate ich euch.

Wie ihr wisst habe ich im vergangenen Jahr endlich meinen Weg zurück zum Sport gefunden. Es war ein Traum: Fast täglich war ich entweder joggen oder im Fitnessstudio, mal einfach nur für eine Cardio-Einheit, mal für ausführliches Krafttraining. Die Regenerationsphasen habe ich brav eingehalten, damit mein Körper nicht überlastet würde, sondern meine Muskeln auch wirklich die Chance zum Wachsen hatten.

Nun ist es ja so, dass Muskeln Kalorien verbrennen. Ein schöner Nebeneffekt von etwas mehr Ausdauer hätte also durchaus sein sollen und können, dass ich mit anhaltendem Training ein paar Pfunde verliere. Das ist allerdings erstmal wochenlang nicht passiert. Da ich weiß, dass ich einige Lebensmittel nicht so gut vertrage wie andere, hatte ich mich für eine Stoffwechselanalyse entschieden. Das Ergebnis davon habe ich euch in einem Blogbeitrag zu meiner Stoffwechselanalyse festgehalten.

Reines Eiweiß sollte den gewünschten Effekt bringen

Am Ende dieser Analyse stand fest: Mein Körper verstoffwechselt Lebensmittel nicht so, wie er sollte. Die Verteilung meines Körperfetts sowie die Höhe meines Körperfettanteils ließen in Verbindung mit meinen häufigen Trainingseinheiten den Schluss zu, dass ich zu wenig Eiweiß zu mir nehme. Also sollte ich meine Ernährung entsprechend umstellen auf sehr eiweißreiche Nahrung. Frau Doktor und ich entschieden uns dazu, nicht einfach nur auf Low Carb zu setzen, sondern meine Ernährung komplett auf Eiweiß umzustellen.

Weil eine solche Ernährung mit puren, cleanen Lebensmitteln schier unmöglich ist, ließ ich mich zu einem Versuch hinreißen: PowerSlim. Die Produkte von PowerSlim bestehen hoch dosiert aus Eiweiß, die Produktpalette reicht dabei von Schokoriegeln und Kartoffelpürree bis hin zu Lachspfannkuchen und Chips. Sinn dahinter: Sich mit Eiweiß, aber ohne Verzicht auf Dinge, die man gerne isst, zum Wunschgewicht katapultieren. Ich habe das Ganze mehrere Monate durchgezogen, ließ dann aber wieder enttäuscht von dieser Umstellung auf Eiweiß ab. Warum? Das habe ich euch in Vorteilen und Nachteilen zusammengefasst, die ich im Rahmen meiner Ernährungsumstellung erfahren habe. Natürlich handelt es sich dabei um meine persönliche Erfahrung, die sich nicht mit den Erfahrungen anderer „Teilnehmer“ oder der Meinung von PowerSlim selbst decken muss.

Vorteile der Eiweiß-Ernährung

  • Kein Magenknurren mehr
  • Kleine Mahlzeiten, entspanner Magen
  • Räumliche Flexibilität beim Essen
  • Die Betreuung
  • Der Geschmack

Kein Magenknurren mehr

Ich hatte aufgrund der zahlreichen Mahlzeiten, die mir am Tag zustanden (für mich berechnet wurden 6 Mahlzeiten pro Tag), so gut wie nie Hunger. Da ich auf keine der Mahlzeiten verzichten durfte laut Ernährungsplan, war ich also stets mit Futter versorgt.

Kleine Mahlzeiten, entspannter Magen

Die an sich kleineren Mahlzeiten gewöhnten meinen Magen sehr schnell daran, keine allzu großen Mengen Essen mehr zu verlangen, sondern sich mit einer normal bemesseren Portion zufrieden zu geben. Nach ersten Umstellungserscheinungen in Sachen Verdauung war mein Körper beim und nach dem Essen jedenfalls deutlich entspannter. Keine Bauchschmerzen mehr durch Essen, keine Verdauungsprobleme, kein lästiges Völlgefühl.

Räumliche Flexibilität beim Essen

Shakes, Riegel und Waffeln von PowerSlim waren recht praktisch, um sich auch unterwegs an die vorgeschriebene Diät halten zu können.

Die Betreuung

Während der gesamten Zeit der Ernährungsumstellung (die immerhin beinahe ein Jahr dauert, wenn man die Stabilisierungsphase berücksichtigt) stand mir wöchentlich meine Ärztin als Coach zur Verfügung. Sie hat mich ausgemessen, meine Werte beurteilt und sich auf Basis dessen Gedanken mit mir gemacht über mein Training und die jeweiligen Produkte, die ich zu mir nehmen sollte. So fühlte ich mich stets gut aufgehoben und nicht allein gelassen mit dieser Quasi-Diät. (Ich bin nämlich überhaupt nicht der Diätentyp und daher sehr dankbar, wenn ich bei sowas intensiv unterstützt werde!)

Der Geschmack

Geschmacklich sind einige Produkte sicherlich gewöhnungsbedürftig, andere hingegen richtig lecker. Vanille-Riegel, Lachspfannkuchen, Müsli und Soja-Reis haben mir zum Beispiel wirklich gut geschmeckt. Auch einige der Smoothies und Shakes waren durchaus schmackhaft. Andere Sachen hingegen hätte ich nicht unbedingt auf meinem Speiseplan gebraucht. Doch aufgrund der großen Produktpalette ist ja zum Glück für jeden Geschmack was dabei.

 

Nachteile, die die Eiweiß-Ernährung aus meiner Sicht mit sich bringt

Hier muss ich dazusagen: Diese Nachteile sind explizit Nachteile, die ICH erfahren habe aufgrund dessen wie mein Leben sich gestaltet und wie mein Körper auf die Ernährungsumstellung reagiert hat. Während andere Menschen, denen ich bei Frau Doktor begegnet bin, total happy mit PowerSlim waren und Kilo und Kilo verloren, schlug das Ganze bei mir nur am Anfang mal kurz an.

Nach wenigen Wochen aber bereits stagnierten Gewicht, Muskelmasse und Fettanteil im Körper. Mein Körper ist offensichtlich also nicht in der Lage, ausschließlich mit Eiweiß zurechtzukommen. Das ist mein Problem, nicht eures. Deshalb kann es natürlich sein, dass jeder von euch ganz andere und vielleicht deutlich positivere Erfahrungen mit dem Konzept macht. Wie ich die Ernährungsumstellung erlebt habe:

  • Disziplin erforderlich
  • Risiko Muskelabbau
  • Der Zeitfaktor
  • Die Dauer der Diät
  • Die Kosten
  • Obst ist verboten
  • Der Geruch
  • Die Auswirkungen auf meine Haut
  • Der Verpackungswahnsinn

 

Disziplin erforderlich

Wer sich nicht zu 100 Prozent an den Plan hält, scheitert. Jeder Ausrutscher, und sei er noch so klein, wirft einen in Sachen Erfolg komplett zurück. Der Grund: Hat sich der Körper erstmal auf Eiweiß eingestellt zur Muskelverbrennung, gerät er irritiert aus der Bahn, wenn plötzlich wieder Kohlenhydrate ins Spiel kommen. Etwa in Form eines Glases Wein oder einer Scheibe Brot. Essen gehen oder Essenseinladungen von Freunden wurde für mich zur Horror-Tortur, weshalb ich auf soziale Kontakte irgendwann ein Stück weit lieber verzichtet habe. So konnte ich in Ruhe meine Riegel knabbern oder mit Soja-Reis zu Hause kochen, während die anderen sich zu Koch-Events verabredeten oder im Sommer im Biergarten saßen zum gemeinsamen Vesper.

Risiko Muskelabbau

Eiweiß allein baut keine Muskeln auf. Ich musste mein Training sogar noch intensivieren und aufstocken, um von Woche zu Woche überhaupt einen Zuwachs an Muskelmasse messen zu können. Das führte dazu, dass ich wirklich jeden Tag trainiert habe, was meinen Körper wiederum sehr erschöpfte. Ließ ich mal einen Tag Krafttraining aus, verzeichnete das Messgerät in der Woche drauf sogar einen Rückgang der Muskelmasse. Der ständige Druck aus „perfekt essen“ und täglichem Training wirkte sich nach einigen Wochen leider sehr auf meine Motivation in der ganzen Sache aus.

Der Zeitfaktor

Manager, Mütter, … sehr viele Menschen ohne Zeit für Kochen und Sport entscheiden sich bewusst für PowerSlim, weil es so unkompliziert sein soll. Ist es weitestgehend auch. Man kauft teuer Produkte ein, die einen komplett durch den Tag bringen. Die Vorbereitungszeiten halten sich in Grenzen. Das mag bei Menschen mit einem normalen Stoffwechsel gut funktionieren – bei mir hat der Körper aber tatsächlich nicht so reagiert, wie er hätte sollen. Für mich wurde die Ernährungsumstellung aufgrund des damit verbundenen Trainingsaufwandes zu etwas, das sich nicht mal eben so mit Job und Familienleben vereinbaren ließ. Aufwändige zeitliche Planung, Vorbereitungs und Freizeitinvestition gingen damit einher, da bei mir der Muskelaufbau beinahe sofort in Muskelabbau umschlug.

Die Dauer der Diät

Das PowerSlim-Prinzip setzt sich aus unterschiedlichen Phasen der Ernährungsumstellung zusammen. Am Ende, wenn der gewünschte Abnehmerfolg erreicht ist, folgt eine Stabilisierungsphase. Alles in allem sollte man mit ungefähr einem Jahr rechnen, in dem man sich mit dieser speziellen Eiweiß-Ernährung beschäftigten muss. Die Frage des Wollens wird so auch zu einer Frage des Sich-leisten-wollens. Das bringt mich zum nächsten Punkt: den Kosten.

Die Kosten

Das Anfangspaket lag für mich damals bei irgendwas um die 200 Euro. Damit war ich für den Start der Ernährungsumstellung gut ausgerüstet und mit allen Mahlzeiten für die ersten zehn Tage ausgestattet. Wäre ich Single und kinderlos, hätte ich vermutlich wenig Schmerz damit gehabt, für viele Monate hunderte weitere Euros zu investieren in Packungen mit sechs bis acht Portionen von irgendwas für jeweils ca. 15 bis 20 Euro. Sowas summiert sich. Natürlich brauchte ich stattdessen nicht mehr viel Geld für weitere Lebensmittel (Salat, Gemüse, …) für mich ausgeben. Da ich aber auch noch eine Familie habe, die gern etwas zu essen im Haus hat, verdoppelten sich unsere Ausgaben für Lebensmittel während der Zeit meines Eiweiß-Versuchs.

Obst ist verboten

Für mich einer der schwierigsten Punkte: Während der Umstellung darf man kein Obst zu sich nehmen, ausschließlich bestimmte Gemüsesorten. Klar, der Fruchtzucker. Verstehe ich schon. Ein Sommer ohne frische Früchte ist für mich allerdings keine Alternative zu Pulver-Essen aus der Tüte.

Der Geruch

Ich hatte keine Ahnung, was es bedeutet, seinen Stoffwechsel beinahe ausschließlich mit Eiweiß am Laufen zu halten und währenddessen weiterhin Sport zu treiben. Proteine setzen sich aus Aminosäuren zusammen. Kombiniert mit den Fettsäuremolekülen, die beim Schwitzen von den Bakterien auf der Haut verarbeitet werden, entsteht ein unfassbar ekelhafter Geruch. Bei mir veränderte sich der Körpergeruch innerhalb weniger Wochen so sehr, dass ich schon beim kleinsten Schwitzen anfing, nach Katzenpisse zu riechen.

Bei aller Liebe: Toll war das nicht, sondern ekelhaft und verdammt peinlich. Ich musste mir neue Deos zulegen, die mit diesem penedranten Geruch überhaupt zurechtkamen. Und ich rede von Deos im Plural, weil eine Sorte allein dem Eiweiß-Schweiß gar nicht gewachsen war. Mindestens zwei unterschiedliche Deos übereinander brauchte es, damit ich wenigstens durch meinen Arbeitstag kam, ohne mich vor meinen Kollegen schämen zu müssen. Wie schon gesagt: Das ist MEINE Erfahrung. Heißt nicht, dass ihr alle stinken werdet wie die Schweine. Aber für mich war das eine Erfahrung, die ich so nicht noch mal machen möchte.

Die Auswirkungen auf meine Haut

Ich fasse mich an dieser Stelle kurz: Nach wenigen Wochen sah ich aus wie ein Streuselkuchen. Frau Doktor war begeistert von meinen Pickeln, die ich zuvor niemals hatte, weil sie meinte: Das spricht dafür, dass der Körper sich selbst entgiftet durch diese Eiweißkur. Da mein Körper damit aber gar nicht mehr aufhören wollte, blieb meine Haut mit zum Ende dieses Versuchs unrein und entzündet.

Der Verpackungswahnsinn

Egal, wie lecker die Produkte auch sind und wie gut sie dem Körper tun: Im Jahr 2019 ist zumindest das Verpackungskonzept von PowerSlim nicht mehr zeitgemäß. Jedes einzelne Produkt – jeder Riegel, jede Scheibe Toast, jedes Brötchen – ist einzeln in Plastikfolie verpackt und dann noch mal einem Karton untergebracht. Der Müll, den ich über meine Zeit dieser Diät produziert habe, war unfassbar und dafür schäme ich mich tatsächlich. In Zeiten von verpackungsfreien Supermärkten und einen Blick in die Meere dieser Welt sind die zahlreichen Verpackungen und Folien dieser Eiweiß-Sachen schlichtweg grausam.

Mein Fazit

Ich versuche nach wie vor, meinen Kohlenhydrate-Bedarf zu reduzieren und stattdessen Lebensmittel mit hohem Eiweißgehalt zu verzehren. Davon gibt es inzwischen ja jede Menge (etwa Skyr), die man easy im Supermarkt kaufen kann, die keine unnötigen Zusatzstoffe beinhalten und die Ernährung trotzdem abwechslungsreich gestalten. Die Eiweiß-Produkte tun meinem Körper bis zu einem gewissen Maß gut, wenn auch nicht in jeder Form. Eier beispielsweise kann ich einfach nicht gut verstoffwechseln. Sie liegen mir schwer im Magen und sorgen bei mir in größere Menge (in Form eines Omletts etwa) sogar für Übelkeit.

Genau aus diesem Grund möchte ich aber gern noch mal eine Stoffwechselanalyse und Ernährungsanalyse machen lassen. Diese soll mir konkret Aufschluss darüber geben, welche Lebensmittel ich gut vertrage und welche nicht. Lebensmittelallergien habe ich nämlich keine und auch keine gravierenden Unverträglichkeiten. Tomaten und Ananas vertrage ich nicht besonders gut, das weiß ich aber bereits und versuche daher auch, diese Lebensmittel zu vermeiden. Doch woher weiß ich, was mein Körper besser oder schlechter verstoffwechseln kann? Das gilt es noch hrauszufinden und aus diesen Erkenntnissen einen neuen Ernährungsplan zu erstellen. So wäre es eine Ernährungsumstellung, die nicht nur meinem Körper gut tut, sondern sich vermutlich auch positiv auf mein Training auswirkt.

 

 


Das könnte dich auch interessieren:

Erster Kommentar: Eiweiß-Ernährung und ich: So lief mein Versuch mit der Ernährungsumstellung

  1. Lars sagt:

    Ich danke Ihnen für den interessanten Artikel. So eine Eiweiß Ernährung kann in Verbindung mit ausreichend Sport wirklich gute Ergebnisse hervorbringen.
    Mit besten Grüßen,
    Lars

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.